Wie ein Mann aus seiner Verbitterung kommt

Im Sommer-Freiluftkino des Schorndorfer City-Marketingvereins habe ich jüngst diesen wunderbaren schwedischen Film „Ein Mann namens Ove“ gesehen. Er erzählt die Geschichte eines emotionslosen Pedanten, der verwitwet in seinem Wohngebiet alle Nachbarn tyrannisiert und der sich erhängen will, nachdem ihm in der Firma nach 46 Jahren auch noch gekündigt wird.

Skizziert wird ein Kautz, der auf den ersten Blick wirklich zum Kotzen ist. Einzig am Grab seiner geliebten Frau blitzt schon von Anfang an etwas von seinem liebevollen Wesen auf. Veränderung kommt in sein Leben durch neue Nachbarn, die sich von seiner schroffen Art nicht einschüchtern lassen, sondern diese geradezu ignorieren.

Diese Unvoreingenommenheit bringt letztlich auch Ove aus dem Konzept, der dadurch ungewollt mehr und mehr von seinem wahren, verletztlichen Wesen zeigt. Wie bei einer Zwiebel trägt der Film Schale um Schale seines Wesens ab, bis der vielfach verletzte kleine Ove sichtbar wird. Der frühe Tod der Mutter, der ihn zum Halbwaisen macht; der emotional überforderte Vater, der dem Kleinen nicht die Liebe schenken kann, die er bräuchte.

Der Film ist ein Pladoyer dafür, Menschen nicht nach ihrem ersten Eindruck, den sie machen, zu kategorisieren und – wie im Fall Oves – abzulehnen. Sondern, wie die Nachbarin, die arabische Migrantin ist, wieder und wieder in Kontakt zu gehen und förmlich die raue Schale des Gegenübers zu durchdringen.

Denn letztlich hatte Ove soviel Schmerz und Enttäuschung erlebt, dass er verbitterte. Doch all seine Energie kann „umgedreht“ und in Liebe verwandelt werden, wenn Menschen einen Zugang zu ihm finden. Das ist das, was ich auch vielen jungen Migranten wünsche, die nun mit dem Terrorismus sympathisieren. Denn sie haben soviel Ablehnung und Gewalt erlebt, dass sie nun selbst Täter sein wollen statt immer Opfer zu bleiben.

„Ein Mann namens Ove“ bringt gut zum Ausdruck, was wir bei MKP in der Männerarbeit weltweit – und auch in Schorndorf – machen: Männern einen Ort geben, wo sie ihre Verletzungen anschauen und ihre Wunden lecken können, um dann zu klären, wie sie künftig leben wollen. Dabei dient jeder Mann jedem in einem herrschaftsfreien, vertrauten Raum als Projektions- und Trainingsfläche, Ermutigung und Trost.

Denn nicht jeder Mann hat das Glück, auf Nachbarn wie Ove zu treffen. Hat man aber andererseits mal am Elixier der (Nächsten-)Liebe genippt und den Kelch des Hasses stehen gelassen, trifft man auf immer mehr Botschaften und Botschafter der Liebe in dieser Welt. Und das macht frei und stark. Aho.

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Flüchtlinge in Deutschland: Klartext reden

014 Ev. Gemeindeblatt
Wohltuender Tabubruch: Das Evangelische Gemeindeblatt lädt seine Leser ein, ihre Erfahrungen mit Flüchtlingen zu schildern.

Dass die Medien im Kontext der Flüchtlingsberichterstattung als Lügenpresse in Verruf gekommen sind, haben sie meines Erachtens mit selbst verschuldet. Der Grund: Die Verantwortlichen in den Redaktionen glaubten vermutlich, mit einer kritischen, also faktenorientierten Berichterstattung migrationsfeindlichen Tendenzen Vorschub zu leisten. Das Gegenteil aber war der Fall. Verschweigen schürt Mißtrauen.

Das Beispiel zeigt, dass sich in den Redaktionen offenbar nichts geändert hat, seit ich ihnen 2002 den Rücken gekehrt habe. Noch immer meinen Redakteure offenbar zu wissen, was gut ist für ihre Leser und mit welchen Informationen sie überfordert sind. Welche Arroganz. Live erlebt habe ich das während meines Volontariats 1990/91 und meinen ersten Berufsjahren als die Republikaner im Südwesten so stark waren.

Nun lese ich wieder in (fast) keiner Zeitung, wie schlecht bspw. die Qualifikation der allermeisten Flüchtlinge ist; wie reaktionär deren Frauenbild oder ihre Motivation, den vorgeschriebenen Deutschkurs zu besuchen. Und wenn leise Kritik geäußert wird, wird diese sofort mit Fluchttraumata, der (schlechten) Unterbringung oder der Trennung von Familie und Freunden relativiert.

Das alles stimmt. Und doch will ich nicht immer nur diese Seite hören, sondern auch jene, dass in dieser (christlich geprägten Hightech-)Gesellschaft nur ankommt, wer sich schnellstmöglich integriert. Und dazu gehört primär die Sprachkenntnis oder die Fähigkeit des gezügelten Umgangs mit Alkohol, erst recht, wenn man ihn aus religiösen Gründen ohnehin meiden sollte.

Flüchtlinge haben bei allem Respekt vor ihrer Biographie eine Bringschuld, die m.E. groß ist. Schließlich ermöglichen Demokraten und Christen wie ich den Zugang in unser Land, wir finanzieren ihren Aufenthalt und versuchen gleichzeitig noch unsere Mitbürger bei der Stange zu halten, damit diese nicht heimlich oder offenkundig AfD wählen und mit den Pegida-Leuten auf die Straße gehen (, was zu einer weiteren Belastung unserer Polizei führt).

Das Evangelische Gemeindeblatt hat nun mit seiner Doppel-Ausgabe 32-33/2016 vorgemacht, wie ich mir eine ausgewogene Berichterstattung wünsche. Hier kommen Helfer zu Wort, die beschreiben, wie mühselig die Patenschaft für einen Flüchtling ist, weil er etwa Tugenden wie Pünktlichkeit oder Verbindlichkeit erst lernen muss. Ich selbst vermiete bewusst an eine fünfköpfige afghanische Familie und weiß (ein wenig), wovon ich spreche.

Wer etwa als Migrant in einen Rechtsstaat flüchtet, sollte sich an dessen Regeln halten und wenn es Monate dauert, alle Formulare beisammen zu haben. Seinen Pflichten stehen dann aber unverbriefbare Rechte gegenüber. Und er sollte wissen, sein Deutschkurs kostet 1000 Euro,  den deutsche Bürger ihm ermöglichen. Einfach unterzutauchen und zu Verwandten weiterziehen, ist keine Lösung.

Wenn die einen in unserer Gesellschaft den Fremden nicht nur Hass entgegenbrächten und die anderen nicht nur Naivität, kämen wir mit der Integration sicher deutlich weiter. Die zumeist jungen Männer sind klare Ansagen kulturell bedingt gewohnt. Dazu gehört für mich auch, dass unsere Grenzen vorerst zu bleiben bis die Behörden verdaut haben, was da an Mehraufwand kam. Denn auch die Mitarbeiter in den Job-Centern etc. sind meine Nächsten.

Die Serie im Evangelischen Gemeindeblatt werde ich mit Interesse verfolgen. Danke, liebe Kollegen, für euren journalistischen Mut.

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Warum ich mich bei MKP engagiere

Mann bei seiner Graduation in der Kreismitte
Klarheit in sein Leben bringen: Ein neu initiierter Mann erzählt bei seiner Graduationsfeier, was er auf dem MKP-Wochenende über sich selbst gelernt hat und was er ab jetzt anders macht. FOTO: MKP

Der Club der toten Dichter von 1989 mit Robin Williams in der Hauptrolle als Englischlehrer gehört mit zu meinen Lieblingsfilmen, weil der Pädagoge einer US-Eliteschule seinen Schülern vermittelt, ihre Individualität und Leidenschaft zu leben, ihre eigenen Ideen zu verwirklichen und sich keinen Konventionen zu beugen. Auf diesen Prinzipien basiert auch die internationale Männerbewegung MKP, der ich seit Oktober 2013 angehöre.

Die Ursprünge von „Man Kind Project“ liegen in den USA, wo ein Psychologe, ein Sozialarbeiter und ein Ex-Marine in den 1970ern feststellten, dass es keinen Ort gibt, an dem Männer der Neuzeit ihr Selbstverständnis als Partner, Väter, Berufstätige oder Freunde reflektieren und trainieren können. Und deren Väter taugten fast nie als Vorbilder auf all diesen Feldern. Im Gegenteil.

Immer wieder war dem Trio aufgefallen, dass Männer in ihrer Verzweiflung in den Suizid oder Burn-out gingen; über Süchte wie Sex, Alkohol, Spiel oder Arbeit ihre Gefühle verdrängten oder in ihrem Schmerz Amok liefen oder ihre Ex-Frauen und Kinder töteten. Viele aktuelle Fälle in Würzburg, Ansbach, Reutlingen oder München sowie der internationale IS-Terror haben für mich auch in diesem sich nicht gesehen fühlen und beschämt werden, was beides mit mangelnder Liebe zu tun hat, ihre Ursachen.

Bei MKP geben wir uns Männern in regelmäßigen Gruppenabenden bundesweit einen Raum, wo unsere Selbstzweifel, unser (Selbst-)Hass und alle anderen Gefühle willkommen sind. Jeden Abend bin ich aufs Neue tief berührt, wie viele Männer mit intensivsten Gefühlen von Trauer, Wut oder Scham sich hier zeigen, selbst reinigen und klären, ob sie ihr altes Leben in seinen alten Mustern fortsetzen wollen.

Unsere Gruppe ist wie der „Club der toten Dichter“ eine Art Labor, in dem jeder Mann Experimente machen kann, z.B. einmal seinen Chef anschreien oder seiner Mutter die Meinung sagen, um zu trainieren, ob er sich Echtheit auch im realen Leben (irgendwann) traut. Hier teilen wir auch den Schmerz über Scheidung oder andere persönliche Niederlagen. Oft kräftigt es einen Mann schon, wenn er von den (noch schlimmeren) Schlägen hört, die hinter anderen Männern bereits liegen und die jede Nuance seiner momentanen Gefühle nachspüren können.

Dabei laufen die gut dreistündigen Abende stets nach denselben Prozessen und Ritualen ab, die das Labor in jeder Hinsicht „sicher“ und berechenbar halten. Erfahrenere Männer leiten die Abende und die einzelnen Prozesse und duplizieren damit ihr Wissen. So entstand unsere Schorndorfer Gruppe vor 2,5 Jahren aus der Stuttgarter Gruppe heraus, die ihrerseits ihren Ursprung in Illingen als erstem  MKP-Treff in Baden-Württemberg hatte.

Schorndorf, wo wir uns jeden ersten Montag im Monat um 19 Uhr bei uns im Büro treffen, hat wiederum  seit Mai einen Ableger in Schwäbisch Hall. In der Regel sind Gäste willkommen und üblicherweise machen die Männer ein sogenanntes Initiationswochenende, eine Reise zu sich selbst, ihrem inneren Kind und ihrem wilden Mann, um dann keine Gäste mehr zu sein – sondern Brüder.

Im Südwesten werden aktuell sechs bis zehn Männer pro Jahr initiiert, die an einem von bundesweit drei Wochenenden mit jeweils rund 30 Initianten teilgenommen haben. Für diese Baden-Württemberger findet einmal jährlich eine Graduationsfeier statt. Zu dieser sind Angehörige und Freunde willkommen, die auf diese Weise mit MKP in Kontakt kommen. Bei der jüngsten Feier in Stuttgart ist dieses Fotomotiv entstanden.

 

 

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Was Journalisten und Theologen verbindet

Mit großem Gewinn habe ich jüngst Heribert Prantls Beitrag „Zeugen der Wahrheit“ in dem kirchenkritischen Magazin Publik Forum gelesen. Der Jurist und Mitglied der Chefredaktion der Süddeutschen macht dort deutlich, dass es Theologen, Juristen und Journalisten im Kern um die jesuanische Frage „Was ist Wahrheit?“ vor Pontius Pilatus gehen muss.

Dabei geht es nicht um die politische Klugheit des römischen Statthalters, sondern darum, das Verborgene sichtbar zu machen, für das es von Profiteuren Bestrebungen gibt, diese unsichtbar zu halten. Dort ist der Journalist gefordert, Mißstände offenzulegen, etwa dubiose Waffengeschäfte, Steuerhinterziehung oder Korruption.

Entsprechend war für Prantl wie für mich die Offenlegung der „Panama Papers“ vor wenigen Monaten eine Sternstunde des internationalen Journalismus. Die Wahrheit über gigantische Mißstände, die Strukturen der schmutzigen Geschäfte und deren Dimensionen kamen „ans Licht der Öffentlichkeit“. Und international teilten Journalisten untereinander die Aufgaben statt auf die eigene Exklusivität zu achten.

Und ein zweiter Aspekt in dem Essay gefällt mir: Prantl charakterisiert Martin Luther als „wirkmächtigen Journalisten“, der die Mißstände des Ablaßhandels in deutscher Sprache offenlegt, weshalb der neue Erlanger Ehrendoktor der Theologie Luther als Schutzpatron der Journalisten vorschlägt. Doch diese haben mit Franz von Sales bereits einen.

Der Bischof von Genf lebte im 16. Jahrhundert und versuchte, die calvenistischen Konvertiten wieder zum Katholizismus zu bekehren. Weil dies bei Strafe verboten war, so hat auch Prantl recherchiert, druckte er seine Predigten auf Flugblätter, die er an Scheunen, Tore und Bäume heftete. Dabei bediente er sich nicht einer Polemik, sondern präziser Fakten und argumentierte wie zuvor Luther auf Deutsch statt dem vorgeschriebenen Kirchenlatein.

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Zu den Wurzeln meiner Werteorientierung

011 Stamm 60 Jahre mit Fürst 10.07.2016
Christliche Werte verbinden uns: Aktive (l.) und ehemalige (r.) Neckarsulmer Pfadfinder vor der Stadtkirche St. Dionys nach dem Festgottesdienst mit Bischof Gebhard Fürst (Mitte). FOTO: DPSG

Prägend und unvergessen sind meine Kindheit und Jugend bei der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg in meinem Neckarsulmer Heimatstamm St. Dionys, wo ich seit meiner Erstkommunion 1971  Mitglied war. Der Jugendverband hat mir soziale Kompetenzen vermittelt, internationale Begegnungen ermöglicht und die Chance gegeben, mich auf vielen Feldern auszuprobieren.

Kürzlich hatten wir 60-jähriges Stammesjubiläum, bei dem ich viele Ehemalige traf, die längst reife Männer und Frauen geworden sind, die Verantwortung in unserer Gesellschaft, in ihren Berufen, ihren Familien, immer noch im Jugendverband oder der Kirchengemeinde tragen. Das hat mich stolz gemacht auf unsere Gemeinschaft, in der wir auch schon immer große Unterschiede gelebt und ausgehalten haben. Stichwort Toleranz.

Manche ergrauten Männer treffen sich noch heute 14-tägig zum Stammtisch in der Formation, in der sie als 13-Jährige in der Sippe zusammen waren. Respekt. So viel Kontinuität war mir auf Grund meiner Ausbildungs- und Erwerbsbiographie nicht möglich. Aber ich spüre die Verbundenheit und Herzlichkeit, mit der mich meine alten Kameraden immer wieder aufs Neue aufnehmen.

Und wenn ich mich heute für Flüchtlinge, sozial Schwache, Behinderte oder den Schutz unserer Umwelt einsetze, so weiß ich mich stets von der Haltung geleitet, die meine Gruppenleiter, allen voran unser verstorbener Stammesvorsitzender Wolfgang Spohn, uns vermittelt und vorgelebt haben. Zwei Sätze unseres Gründers Robert Baden-Powell sind mir wie ins Herz gebrannt: „Verlasse die Welt ein Stück besser als Du Sie vorgefunden hast!“

Und der zweite Satz des britischen Generals, der vor allem in den zehn Jahren galt, in denen ich selbst in Ellwangen und Göppingen Gruppenleiter war und dazwischen auf Diözesanebene aktiv in der Leiterausbildung: „In jedem Jungen sind mindestens fünf Prozent Gutes. Es ist unsere Aufgabe, diese fünf Prozent durch Förderung und Führung zum Tragen zu bringen.“ (sinngemäß zitiert)

In der Leiterausbildung haben wir den jungen Erwachsenen vermittelt, dass „Kampf und Kontemplation“ bzw. „Mystik und Politik“ zusammengehören (Dr. Walter-Georg Panhans), um den „aufrechten Gang“ zu üben. Leben als Pfadfinder heiße: „Leben mit offenem Fenster und das Gesicht in den Wind halten.“ Nach diesen Prinzipien lebe und arbeite ich noch heute sehr gerne.

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Charismatischer Graf überzeugt in Aspach

013 Der Graf in Aspach
Der Graf gibt auch in Aspach alles: Der Aachener Sänger von Unheilig gibt seinem Publikum trotz meist harter Klänge mit viel Charme ganz viel Wertschätzung. FOTO: FROMM

Seit dem Tod eines guten Bekannten vorigen September, bei dessen Beerdigung vor 800 Trauernden auch zwei Titel des „Grafen“ von Unheilig liefen, habe ich eine innere Verbindung zu dem Bandleader aus Aachen, der mir zuvor zu martialisch war, sein Bandname zu provokativ und seine Selbstbezeichnung als Graf zu narzistisch.

Doch nach der Trauerfeier, bei der mir „Geboren um zu leben“ und „So wie Du warst“ förmlich unter die Haut gingen, revidierte ich mein (Vor-)Urteil und kaufte die nächst beste (Doppel-)CD, die ich in die Finger bekam. In meinem Fall „Gipfelstürmer live“ aus Magdeburg. Mehrfach hörte ich die Songs und achtete besonders auf die Texte, die tiefe Gefühle in mir auslösten – auch wenn der Metalic-Sound für mich gewöhnungsbedürftig blieb.

In den Texten geht es viel um Träume, Sehnsüchte, Beziehungen und Gemeinschaft (1000 Sprachen, eine Botschaft), deren Inhalte ich absolut teile, zumal mich noch immer die Frage bewegte, warum meinem so jung verunglückten Bekannten diese Musik gefiel. In den Liedzeilen geht es etwa darum, wieder aufzustehen, wenn man am Boden liegt oder die Beziehung zur eigenen Mutter („Unter Deiner Flagge“).

Als ich dann noch erfuhr, dass „der Graf“ als Kind Stotterer war und die Bühnenpräsenz Teil seiner Selbsttherapie, war ich beeindruckt von der Willenskraft und Resilienz des Musikers, mit der er sich von der Wave- und Gothic-Szene löste und zunehmend sein eigenes Ding machte. In Videos und Interviews erlebte ich ihn als charmanten Charismatiker, der durchdachte Aussagen trifft und mit seinem Outfit längst zur Marke geworden war.

So habe ich mir vorige Woche spontan eine Karte für sein Aspacher Konzert gekauft, weil ich mein Bild von ihm mit seiner Präsenz abgleichen wollte, seine Fan-Gemeinde kennen lernen wollte und mich selbst in diesem Szenario erleben. Er hält tatsächlich, was er verspricht. Auf der Bühne bei der schwülen Hitze gab er alles und flirtete immer neu mit dem Publikum, das sich von ihm wertgeschätzt, ja sogar geliebt wissen darf.

So spazierte er vor dem Konzert, quasi zum Greifen, durch das Rund der Mechatronik-Arena. Zwar war mir einiges auf der Bühne zu stereotyp, z.B. das Dialogspiel mit dem Publikum („Bitteschön“ – „Dankeschön“) oder sein wiederholtes „Gebt mir ein Ooooh“ (des Bedauerns), doch dem Gros schien es zu gefallen. Sehr echt war auch sein Bekenntnis am Ende, dass er dankbar sei, 16 Jahre diesen Erfolg erlebt haben zu dürfen. Sein Publikum habe ihn all die Jahre getragen, was keine Selbstverständlichkeit sei.

Solche Sätze der Demut und Dankbarkeit würde ich mir auch von anderen Millionären wünschen. Aber vermutlich sind nur wenige so reflektiert wie dieser Mann, dessen bürgerlichen Namen ich nicht kenne. Er scheint zu wissen, dass das ganze Leben ein Experiment ist. Er lebt es vor, wie es aussehen kann, wenn sich einer mit ganzer Kraft, Mut und Entschlossenheit ausprobiert. Dann sind letztlich seine Texte nur die Konsequenz aus dem Erlebten – und Durchlittenen. Aspach war diese Erfahrung wert.

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Wasserstofftankstelle am ZSW in Ulm eröffnet

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Meinen es ernst mit dem Wasserstoffantrieb (v.l.): Prof. Dr. Christian Mohrdieck (Daimler), Helmfried Meinel (Umweltministerium), Dr. Klaus Bonhoff (NOW), Guillaume Larroque (Total), Prof. Dr. Werner Tillmetz (ZSW), Dr. Dieter Prangenberg (Linde), Kunde Dr. David Wenger (Wenger Engineering) und Thomas Bystry (Shell, Vorsitzender Clean-Energy-Partnership). FOTO: ZSW

Die Manager von Daimler, Linde, Total und Shell, die am Freitag (15. Juli) am Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung (ZSW) in Ulm die bundesweit 21. Wasserstofftankstelle in Betrieb genommen haben, zeigen die Ernsthaftigkeit der Industrie, diese Technologie nun marktfähig zu machen.

In diesem Kontext war das ZSW, das heute 220 Hauptamtliche und 100 studentische Hilfskräfte beschäftigt,1988 von den Universitäten Stuttgart und Ulm sowie Playern aus der Automobilindustrie gegründet worden. Bei der Einweihung der Ulmer Tankstelle skizzierte Dr. Klaus Bonhoff die Strategie der Bundesregierung. Für den Geschäftsführer der Nationalen Organisation Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NOW) war der Tag ein Indiz, dass der Hochlauf der Infrastruktur nun „richtig begonnen hat“.

Ministerialdirektor Helmfried Meinel betonte, ein Drittel der aktuell 21 Wasserstofftankstellen stünden in Baden-Württemberg. Fünf weitere seien in Planung. Vor dem Hintergrund des Pariser Klimagipfels plane die Bundesregierung, nach 2030 keine Autos mit Verbrennungsmotor mehr zuzulassen.

Dass die Daimler AG nicht nur deshalb in der jungen Technologie einen Zukunftsmarkt sieht, versicherte Prof. Dr. Christian Mohrdieck. Der Leiter der Fuel Cell-Sparte kündigte an, dass 2017 der GLC, ein Verkaufsschlager der Premiummarke, auch als Plug-In-F-Cell auf den Markt kommt. Das gäbe dem Antrieb „einen richtigen Schub“.

Guillaume Larroque, Manager der französischen Mineralölgesellschaft Total, die die Ulmer Tankstelle betreibt, reklamierte für sein Unternehmen, Wasserstoff seit zwölf Jahren als Antriebsmittel des 21. Jahrhunderts zu forcieren, und ZSW-Vorstandsmitglied Prof. Dr. Werner Tillmetz wertete es als wichtiges Signal in die Fläche, nun auch direkt am ZSW in Ulm über eine eigene Tankstelle zu verfügen.

Bei der Eröffnung dabei war David Wenger, Geschäftsführer der Wenger Engineering GmbH aus Ulm. Sein Ingenieurbüro hatte seit 2006 wesentliche Beiträge zur Entwicklung von Brennstoffzellenfahrzeugen und Wasserstofftankstellen erbracht. Unter anderem ist das Büro 2016 Preisträger des Automotive Safety Award der SAE für den Beitrag zur Norm SAE J2601, nach der die Fahrzeuge betankt werden.

Dass in Ulm Bedarf für die Tankstelle besteht, belegte der promovierte Ingenieur Wenger, der auf Grund seines beruflichen Engagements ein Brennstoffzellenfahrzeug fährt. Bislang musste dieses in Stuttgart oder München betankt werden.

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80 Gäste bei unserem Agentur-Sommerfest

011 Sommerfest Tobias Köhler referiert
Tobias Köhler fasziniert die Besucher unseres Sommerfestes mit seinem Vortrag: Der Innovationsbeauftragte der Südwestdeutschen Medienholding gab tiefe Einblicke in die Zukunft der Medien. FOTOS: Spantig

Düsseldorf, Jena oder München – unsere Gäste haben teils weite Wege auf sich genommen, um am Freitag an unserem mittlerweile dritten Sommerfest der Agentur im Ambiente von „Raum & Zeit“ am Rems-Ufer teilzunehmen. Tobias Köhler, Chefstratege der Südwestdeutschen Medienholding, die u.a. Stuttgarter Zeitung, Süddeutsche und Rheinpfalz herausbringt, warf einen Blick in die Medienzukunft.

„Redakteure und deren Content bleiben wichtig, aber wir müssen immer mehr Kanäle bespielen“, so der Referent in seinem frei gehaltenen Vortrag vor den 80 Besuchern. Das Lkw-Attentat von Nizza am Tag zuvor hätten bspw. tausende Menschen auf ihren Smartphones teils live in ihre Communities gesendet. Da müsse Exklusivität einer Nachricht neu definiert werden.

011 Sommerfest Foyer (hoch)
Gute Gespräche und interessante Begegnungen: Unser Sommerfest bietet eine Plattform für den persönlichen Kontakt.

Schon heute arbeiteten Redakteure eng mit Technikern zusammen, die die einzelnen Nachrichtenkanäle bedienen, Filme und Fotos bearbeiten oder mit Communities kommunizieren, um sie als Follower zu gewinnen. Wichtig sei auch, einzelne Kanäle nur mit Nachrichten zu bestücken, die für deren Zielgruppe relevant sind. Immer wieder fragte Köhler in das Auditorium hinein, wer welchen Dienst nutzt, wodurch sich leicht Zielgruppen (und Generationen) definieren liesen.

Vor allem die Vernetzung mehrerer Techniken in Verbindung mit einer heute noch globigen Datenbrille, die vielleicht schon in fünf Jahren in eine filigrane Brille und in zehn Jahren in Contactlinsen integriert sein kann, machte die neuen Dimensionen deutlich. So kann man ein Konzert aus der Perspektive eines Rockstars erleben, der in die Gesichter zehntausender Fans blickt.

011 Sommerfest Zuhörer schreiben mit
Wenn die Kunden mitschreiben, war es wohl interessant (v.r.): Tempus-Chef Prof. Jörg Knoblauch, ÜAG-Geschäftsführer David Hirsch und der KEFF-Beauftragte von Ostwürttemberg, Dirk Zoller, mit seiner Partnerin.

Problematisch sei die Entwicklung, dass Marken verschwinden. So hätten Menchen immer häufiger etwas nicht in der Stuttgarter Zeitung, sondern „in Facebook gelesen“, etwas nicht in der ARD gesehen, sondern „bei Youtube“ und nicht mit einem Auto gefahren, sondern „mit Ueber“. Die Zukunft sei also ziemlich offen und „wer mit was wo Geld verdient“, noch lange nicht durchdacht. Klar aber sei, dass digitale Player sich immer massiver zwischen Dienstleister und Nutzer schieben.

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Unrecht: Entschädigung für Kachelmann

Zwar haben sich die Wege von Jörg Kachelmann und mir im Dissens um Geld im Februar getrennt, trotzdem empört mich, welches Unrecht ihm die deutsche Justiz und einige Medien, allen voran die Springer-Presse und die mittlerweile verurteile Steuerhinterzieherin Alice Schwarzer, angetan haben. Da wirkt die Entschädigung von knapp 400.000 Euro, die ihm nun das Oberlandesgericht Köln zugesprochen hat, eher wie ein besseres Trinkgeld.

Sein tiefer Fall hatte es mir ermöglicht, ihn 2011 nach seiner Haftentlassung für „kleines Geld“ für einen Kunden zu buchen und damit bundesweit mediale Aufmerksamkeit auf meinen Mandanten zu ziehen. Andererseits trugen wir das Risiko, unsere guten Namen mit ihm in Verbindung zu bringen, was damals höchst kontrovers diskutiert wurde. Und: Wir trugen zu seiner Rehabilitation bei.

So war ja auch der Deal im Februar zustande gekommen. Denn der Trick ist einfach: Hole einen (bezahlbaren) Prominenten, der deine Zielgruppe und die Medien interessiert, und viel kann dir nicht mehr passieren. Aktuell bediene ich den Hebel wieder. Zwar würde Kachelmann auch hier prima passen, um die Bude voll zu bekommen, doch aktuell sondiere ich u.a. bei ehemaligen Fußball-Nationalspielern.

Und während ich hier schreibe, flattert mir die Einladung einer Ludwigsburger Agentur auf den Schreibtisch, die den früheren „Sprecher“ des Fellbacher Flatrate-Bordells „Paradise“ für ihren Event gebucht hat. Dort spricht der smarte Beau als Kommunikationsberater. Übrigens: Bei unserem Agentur-Sommerfest am Freitag spricht Tobias Köhler, Leiter des Strategie- und Innovationsteams der Süddeutsche Medienholding, zu der u.a. Stuttgarter Zeitung/Nachrichten, Rheinpfalz und Süddeutsche gehören.

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Energiewende wird ein Mammutprojekt

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Hat zum Beispiel in seinem neuen Edeka-Markt in Salach einen Eisspeicher installiert, dessen im Winter gesammelte Kälte (Frost) den Markt bis in den Sommer hinein kühlt: Energie-Pionier Manfred Gebauer.

Aktuell recherchiere ich für mehrere Zeitschriften unterschiedliche Themen rund um die Energiewende, die mir ein persönliches Anliegen ist. Dabei geht es um die Strompreisentwicklung (wird wegen der Umlagen für EEG und Netzentgelte weiter steigen), Speichersysteme, Last- und Energiemanagement oder die Frage, wo das Thema in Unternehmen verankert ist. Denn eine Beobachtung ist, dass es vom Hausmeister über den Facility Manager bis zur Geschäftsführung immer weiter nach oben rückt.

Bei meinen Recherchen merke ich leider auch, dass viele Firmen bei dem Thema mauern. So verkünden sie bspw. auf ihren Homepages, bis 2020 CO2-neutral sein zu wollen oder auf ein nachhaltiges Wirtschaften zu setzen, doch auf Nachfragen bekomme ich keine Antwort oder qualifizierte Ansprechpartner.

Umso erfreulicher war dieser Tage, an den Energieanalysten der Deutsche Bank Research heranzukommen, der erst vor wenigen Wochen eine 32-seitige Studie zum Energiemarkt veröffentlicht hat. Diese kommt sehr unaufgeregt und systematisch daher und empfiehlt beiden Seiten (Atomlobby und Regenerative), das Thema ideologiefrei zu betrachten. Seine Analyse ist Basis vieler Beiträge, die ich in den kommenden Monaten dazu schreiben werde.

Besondere Freude bereiten mir die Firmenbeispiele, in denen sich Firmen schon jetzt energieautark machen und beschreiben, wie das geht, was es kostet und welche Renditen und CO2-Einsparungen die Manahmen bringen. Sogar erste Vorträge vor Unternehmen und Bürgerenergiegenossenschaften halte ich zu dem Thema, um Nachahmer zu ermutigen und Wissen in die Breite zu tragen.

Ein Unternehmer, der Kältetechnik produziert und installiert, meinte kürzlich, ich wolle mit meinem Engagement die Welt retten. Das gefalle ihm. Ich habne ihm gesagt, wenn es stimmt, dass bislang 80 Prozent der Abwärme der Anlagen, die er installiert, nicht genutzt wird, weil seine Kunden darauf nicht achten, sei es mein Ziel, dass SEINE Kunden schon bald auch die Abwärme recyceln.

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